Geschichte einer Einkaufsstraße

Die heutige Rathausstraße ist eine der ältesten Straßen Berlins. Sie wurde bereits Ende des 13. Jahrhunderts angelegt. Anfang des 20. Jahrhundert war sie als Königstraße bekannt – und schon damals der Sitz großer Kaufhäuser. Die heute weitläufige Fußgängerzone war zu dieser Zeit eher ein Flaschenhals: dicht bebaut und von starkem Straßenbahnverkehr geprägt.

Auf dem Weg in die Moderne

Die Rathausstraße — ein neues altes Stadtzentrum

Der 2. Weltkrieg hinterließ große Lücken in der historischen Königstraße. Mit dem Wiederaufbau des Roten Rathauses wurde sie am 12. April 1951 in Rathausstraße umbenannt. Nach und nach begann die Umgestaltung des Areals, die mit der Errichtung des Fernsehturms Ende der 60er Jahre einen Höhepunkt erlebte. Zur gleichen Zeit wurden auch die RathausPassagen fertiggestellt. 

Planung und Bau eines neuen Zentrums

Heinz Graffunder – Architekt

Die Planungen für die Neubebauung der Rathausstraße in den sechziger Jahren leitete der Architekt Prof. Heinz Graffunder (1926-1994). Gemeinsam mit seinem Team entwarf er ein Gebäude, das Wohnen, Erleben, Einkaufen und Kultur ausreichend Raum gab.

In den siebziger Jahren zeichnete er für die Planung des Neubaugebietes Marzahn mit veranwortlich. Graffunder war der Chefarchitekt des Palastes der Republik. Auch an der Gestaltung des Berliner Tierparks war er maßgeblich beteiligt. So wurden unter anderem das Dickhäuterhaus sowie das Alfred-Brehm-Haus von ihm entworfen. Neben seiner Tätigkeit als Architekt lehrte Graffunder in den achtziger Jahren als Professor an der Bauhochschule Cottbus.

Neue Geschäftstätigkeit in urbanem Umfeld

Ende der 60er Jahre begann die Neubebauung des weitläufigen Gebietes. Am Fuße des Fernsehturms entstand ein neuer Platz. Unter der Leitung des Architekten Heinz Graffunder wurden drei auf Stelzen ruhende Wohnhäuser errichtet, die von einem zweigeschossigen flachen Baukörper mit Höfen und Durchgängen umschlossen waren.

Oben wurde gewohnt, unten konnte man nach Herzenslust flanieren. Damit wurde dem Ort etwas von seiner früheren Geschäftigkeit zurückgegeben. Boutiquen, Fachgeschäfte, Restaurants und Cafés luden ein – und lockten nicht nur die Berliner, sondern auch viele Gäste der Stadt an.

Mit den Gebäuden an der gegenüberliegenden Karl-Liebknecht-Straße und der dazwischen gelegenen parkähnlichen Anlage bildete die RathausPassage seit ihrer Fertigstellung 1969 die großstädtische Kulisse für den Fernsehturm. Die in die Höhe strebenden, fast schwebenden Wohngebäude holten Menschen und Leben an den Ort zurück.

Die RathausPassagen entwickelten sich schnell zu einem der wichtigsten Geschäftszentren Ostberlins. Einkaufen und Bummeln, seine Freizeit verbringen und Ausgehen, Kommunikation und Kultur – das alles hatte hier seine Adresse. In den Innenhöfen, unter Bäumen oder neben humorvollen Plastiken und Reliefs, die sich durch die Passagen zogen, fand der Besucher oder Bewohner Ruhe.

Die RathausPassagen — Neuer Anfang nach der Wende

Sanierung als modernes Einkaufszentrum

Nach der Wende boomte der Alexanderplatz als symbolträchtiges Zentrum des wiedervereinigten Berlins. Investoren und Planer setzten ihre Vision des neuen Berlins in Szene. Im Zuge dessen wurden auch die RathausPassagen vollständig saniert und als modernes Einkaufszentrum ausgebaut.

Bilder einer Baustelle

Im Zuge der florierenden Entwicklung rund um den Alexanderplatz wurden auch die RathausPassagen von 2002-2004 grundsaniert. Dabei entstand auch das neue Parkhaus, das sich zur Grunerstraße hin über die ganze Länge der Passagen erstreckt. Auch das Bürohaus ist ein Neubau aus dieser Zeit. Die offizielle Eröffnung der RathausPassagen fand am 10. Juni 2004 statt.

Bauherren und Planer

WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH

Verantwortlich für die Revitalisierung der RathausPassagen ist die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH. Zu ihrem bewirtschafteten Bestand in Berlin-Mitte zählen mehr als 11.000 Wohnungen und nahezu 970 Gewerbeobjekte.

Die WBM richtet ihr Augenmerk neben großen Bauvorhaben vor allem auf die Entwicklung der Bestände. Allein 2003 investierte die WBM ca. 22 Mio € in ihre Häuser. Weitere große Bauprojekte der WBM sind in unmittelbarer Nachbarschaft das moderne Denkmalensemble Haus des Lehrers und bcc Berliner Congress Center sowie das Berlin-Carré.

Die Erweiterung und Modernisierung der RathausPassagen wurde vom technischen Bereich der WBM geleitet. Der gesamte Bauablauf — angefangen von den ersten Planungen bis zur Übergabe der einzelnen Läden wurde von den WBM-Technikern koordiniert.

RKW — Architekten der Passagen

Für die Neugestaltung der RathausPassagen zeichnet das » Architekturbüro RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur + Städtebau verantwortlich. Bereits 1950 gründete Helmut Rhode ein Büro in Düsseldorf, 1971 entstand die Bürogemeinschaft Rhode, Kellermann, Wawrowsky. Heute gehört das Büro mit zu den erfolgreichsten Architekturbüros in Deutschland. Über 100 Preise in nationalen und internationalen Wettbewerben zeugen davon. Neben Berlin hat RKW weitere Dependancen in Düsseldorf, Frankfurt/M., Leipzig und eine Tochtergesellschaft in Warschau. Das Spektrum umfasst Büro- und Verwaltungsbauten, Hochhausprojekte im In- und Ausland, Warenhaus- und Infrastrukturprojekte sowie städtebauliche Planungen. Darüber hinaus plant RKW seit Jahren erfolgreich Revitalisierungskonzepte sowohl für Einkaufs- und Fachmarktcenter als auch für Bürogebäude.

Kny & Weber — Architekten des Parkhauses

Das Architekturbüro Kny & Weber leitete die Planungen für die beiden Parkhäuser sowie für das Bürohaus. Das Büro wurde 1990 von den Architekten Michael Kny und Thomas Weber gegründet. Durch eine kontinuierliche und erfolgreiche Beteiligung an ca. 60 Wettbewerben sind seitdem zahlreiche Projekte geplant und realisiert worden. Kny & Weber können auf 17 erste Preise sowie ein breites Arbeitsspektrum verweisen — von städtebaulichen Arbeiten bis hin zu kleinteiligen Umbaumaßnahmen. So sind viele Wohnungsneubauprojekte in Berlin und Brandenburg entstanden, eine Reihe von Umbauten und Modernisierungen von gründerzeitlichen, zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden sowie größere Bürobauten realisiert worden.